Aus dem Leben eines Taugenichts (Teil 5)
Text: Bea Müller©
Hallo ihr Lieben
Letzthin war ich in einem Geschäft für Tierbedarf. Entzückter Ausruf einer
Verkäuferin: "Ist das nicht Sky, der seine eigene Kolumne schreibt". Erst
habe ich mich geziert, aber schliesslich musste ich es zugeben. "Ja, ich
bin's". Die nette Dame hat mir dann auch gleich ein Leckerli angeboten.
Gentleman, der ich bin, habe ich es dankbar angenommen. Aber kaum aus dem
Laden, habe ich es wieder ausgespuckt. Also Fans, die mir etwas Gutes tun
wollen: so gebt mir bitte keine harten Cracker. Mein sanfter Geschmack geht
in Richtung Weiches, am liebsten Wienerli. Wenn Bea mir etwas Hartes
anbietet, nehm' ich es nicht mal anstandsweise zwischen die Zähne. Sie
sollte es nun wirklich besser wissen, aber irgendwie ist sie unbelehrbar und
probiert es immer wieder. Frauen !!!
Apropos Frauen. Mein Ruf als Erzieher hat in der Nachbarschaft die Runde
gemacht. Jetzt drücken sie mir am Wochenende regelmässig den Hundenachwuchs
auf's Auge oder fragen mich an für Spaziergänge mit ihren Süssen. Weil ich
ein tolles Vorbild bin und mich so hundegerecht verhalte. Sauber, da habe
ich mir wieder etwas eingebrockt. Letzthin hatten wir wieder so eine
Zuckerschnute zu Hause. Springerspaniel, 6 Monate, lange Ohren, grosse
Augen, zum Verlieben (natürlich O-Ton Bea) Toll, also sie schwärmt und ich
habe die Arbeit. Beim Gassigehen muss man immer so aufpassen, dass man die
kleine Maus nicht anrempelt. Dabei ist sie schlimmer als ein Sack Flöhe,
wenn sie so unbekümmert durch die Gegend hopst. Dann tapst sie mir andauernd
mit den dicken Pfoten auf den Kopf. Ich bin doch kein Punchingball. Auf
Schritt und Tritt werde ich verfolgt. Im Körbchen quetscht sie sich neben
mich und strahlt mich an. Bea findet das süss, aber dass ich keinen Platz
zum Ausstrecken mehr habe, beachtet wieder keiner.
Ausserdem verteilt die junge Dame m e i n Spielzeug im Garten und im ganzen
Haus. Und wer darf's wieder aufräumen ??? Genau, ich !!!. Weil Cara ja noch
soooo klein ist und ich schliesslich weiss, wo der Esel, die Ente, der
Wauwau und und alles andere hingehört. Das ich aber nur ein Maul habe, jedes
Teil einzeln transportieren und. x-Mal in den Keller zu der Spielsachenkiste
und wieder rauf muss, das interessiert kein Mensch. Auf mein Alter nimmt
hier ja niemand Rücksicht.
Zum Glück gab's Erholungsurlaub im Südtirol. Richtig Wanderferien machen. So
ganz nach meinem Geschmack. Ach, war das schön. Natur pur. Alles wovon ein
Husky träumt. Endlose Wanderwege durch Wälder, die herrlich nach
Eichhörnchen duften. Ausserdem gibt es da freilebende Ziegen. Super. Keine
Ahnung, warum mich meine Herrschaften dann immer an der Leine haben. Die
Gehörnten würden doch sicher zu gerne mit mir Fangis spielen. Aber meine
Zweibeiner haben für so was überhaupt kein Verständnis. Anderes Hornvieh ist
mir nicht so geheuer. Rindviecher gibt es nämlich auch überall. Diesmal ist
so ein Ungetüm auf mich losgestürmt. Zum Glück war Jürg dabei. Wie ein
Cowboy hat er sich an die Hörner gehängt und den Lauf dieses wilden Tieres
gestoppt und es in eine andere Richtung gelenkt. Weg von Bea und mir.
Hey,das gab Beifall von anderen Touristen. Naja, als berühmte Persönlichkeit
hat man halt auch seinen eigenen Bodyguard.
Ich hatte aber aber auch schon angenehme Begegnungen mit Kühen. Wir fahren
ja öfters nach Vorarlberg. Da wohnen wir in einer Hütte, rundum nur Weide.
Dort grasen immer die kleinen Rinder. Eines davon kam jeden Morgen an den
Zaun und hat mich zum Spielen aufgefordert. Echt wahr, kein Witz. Wie ein
Hund. Oberkörper runter, Beine ausgestreckt, wieder aufgestanden und dann
davongehüpft. Wenn ich nicht reagiert habe, kam es wieder an, gleiches von
vorne. Schliesslich habe ich mich erweichen lassen und bin durch den
Holzzaun geschlüpft und ab ging's. Einmal war ich der Verfolger und in der
Mitte der Wiese haben wir gewechselt, dann ist das Jungvieh hinter mir
hergerannt. Man hat uns beiden angesehen, wie viel Vergnügen uns das macht.
Allerdings meinte Bea dann, wir sollten lieber aufhören, der Bauer habe
sicher kein Verständnis für unser Verhalten. Wieso ist immer alles, was
Spass macht, verboten ???
Einmal bin ich nämlich heimlich davongeschlichen und zum Bauerhof auf dem
Hügel gelaufen. Dort war das Kälbchen im Aussenstall. Es war ganz einsam, so
ohne Mama und Geschwister. Klar, dass es sich sehr über meinen Besuch
gefreut hat. Ich habe ihm auch das Maul abgeschleckt. Erstens, dass es nicht
so traurig ist und zweitens hat es so gut nach Milch geschmeckt. Ups, die
Freude war aber von kurzer Dauer. Die Bäuerin hat mich entdeckt. Du meine
Güte, war das ein Gezetere. Man könnte meinen, ich hätte den ganzen
Viehbestand ausgerottet. Wenn Bea und Jürg nicht gemerkt hätten, dass ich
nicht mehr vor der Hütte liege und sich schon hektisch auf die Suche nach
mir gemacht hätten, läge ich jetzt wahrscheinlich als Bettvorleger auf dem
Bauernhof. Rettung in letzter Sekunde war das. Jedenfalls sind mir für den
Moment die Alleinausflüge vergangen.
So, das war's wieder für ein Jahr. Viel Vergnügen beim Lesen wünscht Euch.
Sky, der Unverwüstliche
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